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Meldungsarchiv

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   Meldungen 2021: 


Lehrfilm über den Neandertaler

Nach dem erfolgreichen Lehrfilm zur Keramik der Jungsteinzeit für die Studenten der Vor– und Frühgeschichte an der Universität München haben sich Mitglieder des Archäologischen Vereins im Landkreis Freising unter der Leitung von Dr. Martinus Fesq-Martin ein neues Projekt vorgenommen: Ein Film über den Neandertaler. Idealer Anknüpfungspunkt ist hierfür der im nördlichen Landkreis Freising gefundene Faustkeil. Vor einigen Jahrzehnten bemerkte Frau Marianne Schwaiger aus Osseltshausen auf einem frisch aufgekiesten Weg einen ungewöhnlichen Stein, der ihr wegen seines leichten Glanzes und seiner Größe auffiel. Der Kies stammte aus dem benachbarten Reith. Am Faustkeil waren Spuren einer Bearbeitung zu erkennen. Er ist 14 cm lang und bis zu 8,2 cm breit, besteht aus Arnhofener Plattensilex und dürfte damit der älteste Vertreter der Abensberg-Arnhofener Bergbauregion sein. Das Arnhofener Herkunftsgebiet ist angesichts der relativ kurzen Distanz zum Fundort (ca. 35 km Luftlinie) nicht verwunderlich. Mit Hilfe von hochauflösenden 3D–Scans wurde der Faustkeil aus dem Landkreis Freising jetzt eingehend von Wissenschaftlern der Universitäten München   und Augsburg studiert. Die Archäologin Dr. Caroline von Nicolai, die an der LMU München die Vorgeschichte des Alpenraumes erforscht, erklärt: „Bei dem bemerkenswerten Fundstück von Reith handelt es sich um einen sogenannten Micoquien Keil.“ Vergleichbare Stücke sind auch aus dem nördlich gelegenen Altmühlthal bekannt, so dass der Faustkeil, oder besser Keilmesser, von Reith sehr gut in die Verbreitung von Funden aus der mittleren Altsteinzeit in Südbayern passt. Der Biologe Dr. Martinus Fesq-Martin urteilt über den ältesten Fund im Landkreis Freising: „Bei dieser archäologischen Zeitstellung kommt eigentlich nur der Homo neanderthalensis als Erzeuger des altsteinzeitlichen Werkzeugs in Frage.“ Der Forscher und Lehrer vom Archäologischen Verein Freising hat sich auf die Geschichte von Landschaft spezialisiert. „Das hohe Alter des Keilmessers lädt die Region geradezu mit kulturgeschichtlicher Tiefe und Bedeutung auf!“ erklärt Fesq-Martin sein Interesse an dem herausragenden Objekt. Gerade aus der Spätphase von Homo neanderthalensis sind in den letzten Jahren bemerkenswerte Einsichten zur Kultur dieser altsteinzeitlichen Menschen gewonnen worden. So wurden unerwartete Nachweise wie der Verwendung von Rabenfedern und Adlerkrallen gemacht.



Foto (AVFS): Schematische Skizze der Handhabung des Faustkeils von Reith


Scherben vom Acker - Archäologischer Verein im Radio

Unter dem Titel "Scherben vom Acker - Landwirte als Archäologen" lief kürzlich eine Radiosendung auf Bayern 2. Auch der Archäologische Verein kam mit den beiden Vorsitzenden hier zu Wort. Die Sendung gibt es als Podcast zum nachhören.

Podcast: https://www.br.de/mediathek/podcast/radioreportage/scherben-vom-acker-landwirte-als-archaeologen/1804920


Rechenschaftsbericht des 1. Vorsitzenden, Scheidl Lorenz 2020

Das Archäologische Jahr im Landkreis begann voller Tatendrang und mit vielen Projekten, die geplant waren. Dann kam Corona und mit einem Schlag war alles anders.

Lange und oft wurde im Vorstand debattiert, wie und ob eine Jahreshauptversammlung als Präsenzveranstaltung noch möglich ist, nachdem der Termin im Frühjahr durch die Corona-Pandemie gestrichen werden musste. Zahlreiche Hürden standen im Weg. So fand sich kein Ort um eine große Zahl an Mitgliedern dort unterbringen zu können. In der Klosterbibliothek wären maximal 15 Gäste erlaubt gewesen. Zudem wäre ein Hygienekonzept mit massiven Auflagen notwendig gewesen und auch die Planungssicherheit hierfür fehlte. Was heute gilt, ist in vier Wochen womöglich bereits wieder komplett anders, da sich die Lage leider oft täglich ändert. Der absolut wichtigste Punkt aber war die Sicherheit unserer Mitglieder. Bei einem Sportverein mit jungen Leuten, hätten wir keine Bedenken gehabt, aber der Archäologische Verein besteht zu einem großen Teil aus Personen die der Hochrisikogruppe angehören. Für diese ist eine Präsenzveranstaltung schlicht nicht zumutbar, weshalb wir uns für die Möglichkeit entschieden haben, die Versammlung schriftlich abzuhalten. Das Vereinsrecht lässt dies glücklicherweise für die Dauer der Pandemie zu.

Rückblick
Leider hat Corona dazu geführt, dass kaum Veranstaltungen möglich waren. Zunächst gab es noch die Ausstellung in Mauern, die bis zuletzt stark besucht war und nahezu 800 Gäste anlockte. Nach der Schließung im März durfte leider nicht wiedereröffnet werden und die Räume wurden ihrer vorgesehenen Folgenutzung zugeführt. Die Ausstellung ist nun eingelagert bis eine neue Lösung gefunden ist.

Zusammen mit dem Landkreis wird aktuell an einem Konzept gearbeitet, wo und wie zukünftig ausgestellt werden soll. Ebenso ist immer noch nicht abschließend geklärt, wo die Funde, Arbeitsräume, Bibliothek, usw. untergebracht werden können. Im vorhandenen Depot, das seit der Sanierung nur mit einem Teil der Funde bestückt werden konnte, fehlt bereits jetzt wieder der Platz für weitere Einlagerungen. Die Statik lässt kein weiteres Gewicht zu, wodurch beispielsweise für die zahlreiche Literatur und die Vereins-publikationen keine Lagermöglichkeiten mehr bestehen. Auch das Zweigdepot in Moosburg kommt zusehends an seine Grenzen. Diskutiert werden derzeit verschiedene Alternativen und Vorschläge. Denkbar ist eine Aufsplittung der Räume innerhalb des Landratsamtes mit eventueller Nutzung der ehemaligen Sparkasse als Ausstellung, was aber kurz – bis mittelfristig nicht realisierbar ist. Auch über eine temporäre Auslagerung von allem, was keinen Platz mehr findet in das frisch erworbene Stabsgebäude der Stein-Kaserne wird nachgedacht. Dort ist auch eine zeitlich befristete, größere Ausstellung denkbar. Eine Perspektive, die das Landratsamt uns mittelfristig vorgeschlagen hat, ist ein kompletter Umzug des gesamten Depots, inklusive Ausstellung dorthin, nachdem das Gebäude in einigen Jahren saniert ist. Dies hätte viele Vorteile, aber auch Nachteile, was es sorgsam gegeneinander abzuwägen gilt. Zu den genauen Möglichkeiten wird es Anfang des neuen Jahres Details geben.

Aufgrund der hohen Tragweite der Entscheidungen, die auch noch für die Vereinsarbeit der kommenden Jahrzehnte von hoher Bedeutung sein werden, soll es mit den Neuwahlen eine Mitgliederbefragung geben. Die Vorstandschaft ist der Ansicht, dass solche weitreichenden Beschlüsse nicht vom Gremium allein getragen werden können.

Eine wahre Erfolgsgeschichte ist der historische Wanderweg in Mauern, der im September feierlich eingeweiht wurde. Bürgermeister Georg Krojer überreichte dem Verein für seine Arbeit einen Scheck über 300€. Seit der Eröffnung fand noch eine geführte Wanderung für den Gartenbauverein statt, dann kam Corona zurück und so ist der Weg aktuell nur im kleinen Rahmen zu erwandern, was auch rege angenommen wird.

Die Uni München drehte mit Funden des Vereins unter Federführung von Frau Dr. Caroline von Nicolai (Institut für Vor– und Frühgeschichte) ein Lehrvideo für die Studenten. Die Vorlesungen konnte so trotz Corona lebendig gestaltet werden.

Weiterhin ruhte die Forschungsarbeit nicht und einige Feldbegehungen brachten interessante Ergebnisse, z.B. aus dem Bereich Niederhummel, aber auch aus Zieglberg.

Für Ärger sorgte noch im Frühjahr die Entscheidung des scheidenden Landrates, die Kreisheimatpflege an die Kreisarchäologie zu geben. Damit verbunden wäre ein Verlust vieler Kompetenzen gewesen und auch die Sinnhaftigkeit einer Kreisheimatpflege bei der Kreisarchäologie ist zweifelhaft. Ein Kreisarchäologe hat aufgrund seines Amtes bereits alle Kompetenzen die er benötigt und bekommt mit der Heimatpflege keine weiteren hinzu. Die Kreisheimatpflege wurde auch dazu ins Leben gerufen um das Bindeglied zwischen Hauptamt und Ehrenamt zu sein und so verwundert es auch nicht, dass in ganz Bayern sonst kein Kreisarchäologe auch Heimatpfleger ist, sondern diese Position laut unseren Recherchen überall durch Ehrenamtler besetzt sind. Aufgrund von Corona passierte lange nichts und im Sommer wurde der Vorgang dann in der Presse abgedruckt.

Die Wellen schlugen erwartungsgemäß sehr hoch und der Vorstand erhielt sehr viele und vor allem auch sehr emotionale Reaktionen der Mitglieder zu dem Vorgang. Landrat Helmut Petz rief noch aus dem Wochenende beim ersten Vorsitzenden an und es folgte ein sehr konstruktives Gespräch. Eine kurz darauf eiligst einberufene Krisensitzung brachte die erhoffte Klärung. Zwar konnte Petz die Entscheidungen nicht rückgängig machen, aber dem Verein wurden umfänglich die Rechte der Heimatpflege und archäologischer Arbeit zugesichert, wie sie bislang bestanden haben.  Zudem wird nun Klarheit darüber geschaffen, welche Aufgaben der Verein und welche der Kreisarchäologie obliegen, um die Stärken beider Seiten zu bündeln. So konnte doch noch aus der Not eine Tugend gemacht werden.

Ausblick
Für das neue Jahr wird es zunächst heißen: Sparflamme! Zwar war sehr viel geplant, doch was davon noch möglich sein wird, bleibt abzuwarten.
So standen eine Ausstellung in Wang, der Maus-Türöffner Tag in Freising und einiges an Vorträgen auf dem Programm. Das Brotlaibidol soll in Halle ausgestellt werden.

Sicher ist, dass wir alles daransetzen, möglichst schnell wieder ein vernünftiges Programm zu bieten, wann das beginnen kann, steht nicht fest.

Weiteres
Vom Stadtmuseum kam die Anfrage an uns, ob die Leihe von Gefäßen des Dombergs, die seinerzeit von Erwin Neumair auf den Weg gebracht wurde, fortgesetzt und ggf. etwas erweitert werden könne. Bislang waren drei kleinere bronzezeitliche Gefäße ausgestellt, die mit Sanierungsbeginn im Stadtmuseum an uns zurückgegeben wurden. Der Vorstand ist grundsätzlich nicht gegen eine solche Leihe, allerdings werden sicher keine der Prunkstücke, wie das Brotlaibidol ausgestellt. Auch würde die Leihe so ausgestaltet, dass wir die Funde jederzeit wiederhaben können.

Nach Zeitungsberichten über das Projekt gab es allerdings seitens einiger Mitglieder Bedenken zu diesem Leihantrag.

Die Vorstandschaft hat sich daher entschieden auch zu diesem Punkt einen Mitgliederentscheid durchzuführen, um auch hier größtmögliche demokratische Klarheit zu haben.

Neuwahlen
Das Vereinsrecht sieht für die Dauer der Pandemie zahlreiche Ausnahmereglungen vor. So bleiben gewählte Organe der Vorstandschaft auch nach Ablauf der eigentlichen Amtszeit solange weiter im Amt, bis die Pandemiesituation eine Präsenzwahl zulässt.
Alternativ wurden die Regeln auch dahingehend gelockert, dass eine Briefwahl durchgeführt werden kann. Die Vorstandschaft favorisiert die Briefwahl, da für uns nicht absehbar ist, wann wir unseren Mitgliedern eine Präsenzveranstaltung zumuten können und die Risiken doch enorm wären. Zudem ist eine solche Veranstaltung auf absehbare Zeit aufgrund geltender Hygiene- und Kontaktbestimmungen ohnehin undenkbar.

Aufgrund des Jahreswechsels und einer noch unklaren Lage im Vereinsrecht sind die genauen Modalitäten für die Briefwahl noch nicht ganz klar und sie kann daher erst im Laufe des neuen Jahres durchgeführt werden.


Hinweis: Der Kassenbericht ergeht an unsere Mitglieder mit dem Rundschreiben in schriftlicher Form und ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht.


Untersuchungen zu Graphit in Keramik

 Im Rahmen des geplanten Forschungsprojekts "Letzte Jäger, erste Hirten und Bauern – die Anfänge der Grünlandwirtschaft in der Region Zugspitze – Werdenfelser Land – Karwendel" werden derzeit unter anderem Fragen in Zusammenhang mit der Verwendung von Graphit in Keramik erörtert. Mit Hilfe einer pXRF-Analyse soll dabei geklärt werden, ob es eventuell geochemisch nachweisbare Unterschiede zwischen der eisenzeitlichen und mittelalterlichen Keramik gibt. Der Archäologische Verein wird die Untersuchung mit einem Graphitfund aus dem Bereich des ehemaligen Domherrenhauses auf dem Freisinger Domberg unterstützen.


Trauer um hochverdiente Mitglieder

Am 17. März 2020 verstarb unser langjähriges Mitglied, Georg Freiberger. Herr Freiberger ermöglichte dem Archäologischen Verein über viele Jahre hinweg die archäologischen Ausgrabungen auf seinen Grundstücken in Murr.
Durch seine langjährige Großzügigkeit hat er intensive archäologische Forschungen ermöglicht, die zu sensationellen Ergebnissen geführt haben. Er und seine Familie waren immer interessierte und gern gesehene Gäste auf unseren Grabungen und Veranstaltungen.

Wie wir kürzlich erfahren haben verstarb am 3.08.2020 auch unser Mitglied, Frau Inge Ertl im Alter von 89 Jahren. Inge und ihr Mann gehörten zu den Urgesteinen unseres Vereins. Gerne denken wir an die Grabungen in Murr und Mauern zurück, auf denen sie stets akribisch und mit einer Engelsgeduld ausgegraben haben. Frau Ertl hatte immer ein offenes Ohr, besonders für neu hinzugekommene, junge Ausgräber, die sie in die Geheimnisse des "Durchbröselns" eingeweiht hat. Auch unsere Vorträge und Ausstellungen besuchte sie immer gern und war jedes mal aufs Neue begeistert über die Funde, an deren Entdeckung sie beteiligt war.


Wir werden ihnen stets ein ehrendes Andenken bewahren.


Mysteriöse unterirdische Gänge
von Scheidl Lorenz


 

Fotos (Scheidl): Blick in einen noch intakten Erdstall bei Julbach am Inn

Zwergerl, Schrazl, Geister, Heinzelmännchen, Unterirdische und sonstige Sagengestalten sollen einst im Raum Bayern, Österreich und Tschechien ihr Unwesen getrieben haben. Besonders in der dunklen Jahreszeit vertrieb man sich einst die Zeit mit düsteren Erzählungen. Sagen sprechen von geheimnisvollen Geschehnissen. Zum Beispiel sollen in der Nacht fleißige nackte Männlein aus dem Boden gestiegen sein und haben kostenlos die Stallarbeit verrichtet. Als man ihnen zum Dank Kleider hinlegte, damit sie nicht mehr nackt sein müssen, verschwanden sie entrüstet auf Nimmerwiedersehen. So steht es beispielsweise in "Sagen und Geschichten aus der südlichen Hallertau" unter dem Titel "Die Erdmännlein von Alpersdorf" geschrieben.

Der Volksmund spricht auch von einem unterirdischen Gang, der von Mauern nach Isareck führen soll, was aber freilich geologisch und technisch unmöglich ist. In Dürnast bei Freising soll es gar spuken und in Baumgarten und Haag gab es ebenfalls Zwergerl, die aus einem Erdloch kamen und den Hausbesitzern halfen.

Der Grund für all diese Erzählungen sind sogenannte Erdställe. Dabei handelt es sich um geheimnisvolle unterirdische Anlagen, die etwa vom 10. bis 12. Jh. nach Christus erstellt wurden. Die Gänge sind sehr verwinkelt angelegt und häufig kann man einzelne Gangabschnitte nur durch extreme Schlupfstellen erreichen. Diese Schrazllöcher, wie man sie auch nennt, kommen bevorzugt im Alpenraum und Bayerwald vor und haben eine große Gemeinsamkeit: Keiner kann sagen, für was sie einst genutzt wurden.

Theorien sprechen von Fluchtstätten, was aber oft allein durch die mangelnde Sauerstoffzufuhr nahezu unmöglich scheint. Wer schon einmal einen intakten Erdstall besucht hat, wird auch bald merken, dass sich wohl Niemand dort länger aufhalten möchte. Ad absurdum wird diese These geführt, wenn man erfährt, dass wohl der größte Teil der Anlagen aufwendig erstellt, dann aber sofort nach Fertigstellung so verschlossen wurde, dass sie nicht mehr zu betreten waren.

So drängt sich schnell die These auf, dass vielleicht die Erstellung der Erdställe selbst bereits auch ihr Zweck war und sie als religiöse Stätten zu werten sind, die beispielsweise als Wohnstätten der verstorbenen Seelen dienen sollten. Ähnliches kennt man etwa aus Kulturkreisen, die Ahnennischen in ihren Häusern haben.

Aber auch wenn diese Argumentation derzeit als wahrscheinlich angesehen wird und sehr schlüssig klingt, ist das Mysterium der Erdställe nicht abschließend geklärt.

Fest steht jedenfalls, dass es im gesamten Verbreitungsgebiet eine beachtliche Anzahl an Anlagen gibt, so auch im Landkreis Freising, aber man keinerlei schriftliche Überlieferungen über sie findet. Auch heute noch werden immer wieder unbekannte Gänge entdeckt. In unserem Landkreis zuletzt 2009 in Ölpersberg bei Zolling, wo Landwirt Finkenzeller mit seinem Traktor in ein Erdloch eingebrochen war. Schnell eilten der damalige Vorsitzende des Archäologischen Vereins, Erwin Neumair, zusammen mit einigen Helfern, sowie Peter Forster vom Arbeitskreis für Erdstallforschung zum Ort des Geschehens und man konnte dort noch die Reste eines unterirdischen Ganges freilegen, der aber, wie nahezu alle Anlagen im Landkreis Freising, weitgehend verstürzt war.

Ähnliches passierte in Alpersdorf bei Mauern bereits vor gut 100 Jahren, als in der Schupfloh ein Pferd beim Lehmholen einbrach und sich ein Gang auftat. Damals wurde der Pfarrer, Prälat Dr. Hartig gerufen, der mit einigen Männern in den Gang eindrang und ihn sogar genau vermessen hat. Der Erdstall bestand aus einem Hauptgang, der ab Einbruchstelle 12 Meter lang war. Von ihm zweigten zwei Seitengänge ab, von denen einer nach 10 Metern schon zur damaligen Zeit unpassierbar war, der andere nach 10 Metern an eine Stufe mündete. Nach der Überwindung von 1,5 Metern Höhenunterschied erreichte man nach etwa weiteren 6 Metern eine kleine Halle mit 3 Seitenkammern/ Nischen. Auch Seitennischen, evtl. Lampennischen sind überliefert. Somit handelt es sich hier um einen typischen Erdstall mit seinen charakteristischen Merkmalen. Pfarrer Hartig schreibt weiter, er habe in der Endkammer mit seinen Männern noch etwas verweilt und dort fromme Lieder gesungen und Bier getrunken. Heute ist das Bauwerk zugeschüttet und eingestürzt.

Wie man sich wirklich in einem Erdstall fühlt, kann man nur schwer beschreiben, man muss es erleben. Dies ist leider nicht so einfach, da es sich selbst bei den noch intakten Anlagen außerhalb unseres Landkreises um denkmalrechtlich geschützte Bauwerke handelt, die man nur in Ausnahmefällen befahren darf. Glücklicherweise konnten wenige Mitglieder des Vereins zu Forschungszwecken einige Erdställe begutachten und sich einen Eindruck von beklemmender Enge, Schlupfstellen und der mystischen Aura machen, die diese Gänge heute noch umgibt. Das Rätsel der Schrazl harrt damit auch weiter seiner Lösung.