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Bekannte Erdställe im Landkreis Freising - klick -

Allgemeine Informationen über Erdställe


Schon jeher beflügeln sie die Fantasie der Bevölkerung - Erdställe, auch Schratzellöcher oder schlicht unterirdische Gänge genannt. Besonders in Süddeutschland treten sie vermehrt auf, so auch im Landkreis Freising. Grund genug, ihnen eine eigene Sektion auf unserer Homepage zu widmen. Freilich kann an dieser Stelle nur eine knappe Übersicht geliefert werden. Wer sich weitergehend über die Erdställe informieren möchte, dem sei unser Heft 5 "Archäologie im Landkreis Freising" ans Herz gelegt, welches einen 40-seitigen Artikel zum Thema "Unterirdische Gänge im Landkreis Freising nach Aufzeichnungen von Josef Wenzl", verfasst von Hilde Macha und Friedrich Feye, enthält.

 

Charakteristika und zeitliche Einordnung


Kurz gesagt handelt es sich um künstliche Gang- und Kammersysteme, die kunstvoll in die Erde eingegraben wurden. Die Gänge sind oft spitzbogig, seltener auch als Rundbogen gearbeitet. Oft sind derartige Erdbauwerke mehrfach verzweigt, beinhalten Wandnischen und münden in größere Kammern mit Sitznischen und Gewölbe - wobei auch diese Kammern für einen normalen Erwachsenen meist deutlich zu klein dimensioniert sind. Auch Schlupflöcher, bzw. Tauchdurchschlüpfe, Vertikeldurchschlüpfe, etc., die sich auf bis zu 35 cm verengen und in eine tiefer oder höher liegende Etage, oder auch ein versetztes, eigenständiges Gangsystem oder eine Kammer münden sind häufig anzutreffen. Funde in Erdställen sind praktisch nicht vorhanden, was die zeitliche Einordnung erschwert. Die Gänge stehen sehr oft in Verbindung mit sakralen Bauten und großen Höfen im Dorfzentrum, was auf ein Entstehen während oder  vor der Ortsgründung schließen lässt. Insgesamt betrachtet ist die zeitliche Einordnung weiterhin sehr schwierig und selbst in Expertenkreisen umstritten. Allerdings gab es jüngst neue Erkenntnisse die auf eine wahrscheinliche Entstehungszeit zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert nach Christus und auf eine Auflassung oder sogar bewusste Zerstörung oder Verschliessung um etwa 1200 schliessen lassen. 

 Zweck


Auch der Zweck der Erdställe ist bis heute nicht klar. Einige Wissenschaftler weisen ihnen ganz klar kultische Funktionen zu, andere sehen sie als Flucht- oder Zufluchtsorte. Zweite Theorie trifft mit Sicherheit auf einen kleinen Teil der bekannten Gänge zu, allerdings sind diese nicht den klassischen Erdställen zuzuordnen. Ein Indiz auf eine kultische Bedeutung der Bauten geben die vielen Sagen und Erzählungen, die mit Erdställen im Zusammenhang stehen, sowie ihre Nähe zu Sakralbauten und markanten Landschaftspunkten. Möglicherweise stehen die Gangsysteme mit dem frühchristlichen Glauben an ein Verweilen der Seelen in einer Zwischenwelt in Zusammenhang, nach dem diese dort auf das jüngste Gericht warten. Die Seelen wurden in der Tat damals als kindliche, nackte Gestalten dargestellt, wozu die niedrige Bauweise der Gänge und die Durchschlüpfe passen würden. Ob es allerdings tatsächlich Erdkammern für die Seelen waren ist noch sehr fraglich, da es zu jeder schlüssigen Theorie viele Punkte gibt, die nicht passen.

Sagen in Verbindung mit Erdställen 


Mit vielen Erdställen stehen Sagen und Geschichten über drei Schwestern, Zwergerl, Erdmännchen, etc. in Verbindung. Beispielsweise gibt es in Haag folgende Sage: Dort lebte ein braver, aber armer Bauer mit seiner Bäuerin. Da beide Knechte und Mägde hatten, halfen ihnen nachts kleine Erdmanderl. Wenn alles schlief, werkelten sie fleißig in der Küche und im Keller, im Stall und auf der Tenne. Als der kalte Winter nahte, wollte sich die Bäuerin für die mannigfache Hilfe dankbar zeigen und strickte den heimlichen Helfern rote Jäckchen. Da verließen die Erdmanderl auf der Stelle beleidigt den Hof und ließen sich niemals mehr blicken. Sie konnten nämlich die rote Farbe nicht ausstehen.

Eine weitere Sage stammt aus Baumgarten, bei Nandlstadt, hier wird berichtet: Noch vor 100 Jahren führte in Baumgarten bei Nandlstadt ein unterirdischer Gang vom Rottmayer - und vom Hobmayer- Anwesen zum Friedhof und zur Kirche. Beim Rottmayerhof war bei der Scheune ein Loch, das in den unterirdischen Gang führte. Aus dieser Öffnung schlüpften nachts kleine Männlein heraus, die man einfach "Zwergerl" nannte, und verrichteten ganz von selbst im Stall und in der Scheune allerlei Arbeiten. Darüber waren der Bauer und die Bäuerin sehr froh. Zur Belohnung bekamen die kleinen Helfer von der Bäuerin gutes Essen. Wenn der Tag anbrach, verschwanden die Wichte in ihrer Behausung unter der Erde. Weil die kleinen Leute nackt waren, legte man ihnen aus Mitleid Kleider zum Anziehen hin. Doch dies wollten die Zwergerl nicht. Und da verließen sie den Hof auf Nimmerwiedersehen. Bisweilen kann man noch ein fernes Weinen hören.