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Eching


Eching liegt im südwestlichen Landkreis Freising. Die Gemeinde ist seit vorgeschichtlicher Zeit nachweislich besiedelt, was zahlreiche Grabungs- und Lesefunde nach sich zog.

Bronzezeit:

Nach bisherigen Erkenntnisses setzte die Siedlungstätigkeit im Raum Eching wohl mit der Bronzezeit ein, wobei eine frühere Besiedelung durchaus denkbar, aber noch nicht nachgewiesen ist. Zwischen 1980 und 1984 wurden im Gewerbegebiet zwischen Eching und Neufahrn Flächen von insgesamt 8,6 ha bauvorgreifend archäologisch untersucht. Hierbei traten unter anderem auch Siedlungsspuren der Frühbronzezeit zu Tage. Zu nennen sind beispielsweise mehrere Langhäuser von rund 60m Länge, ein Brunnen in dem mehrere komplette Gefäße entdeckt werden konnten sowie eine typische Einzelbestattung dieser Zeitstellung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder: Oben: Langhaus aus der Frühbronzezeit
Unten: Grabungsplan Eching

 

Römische Kaiserzeit:

Befunde aus der Römerzeit gibt es in Dietersheim und in Günzenhausen. Bereits 1841 öffnete der königliche Regierungsrat Panzer in der Garchinger Heide einen Grabhügel, wobei ein Gräber aus der Kaiserzeit, insbesondere ein Grab der Heimstettener Gruppe festgestellt wurden. Da Nachweise dieser Gruppe bei den ältesten römischen Niederlassungen oder an römischen Fernstraßen gefunden wurden, dürften sie in der Territorialorganisation der Römer eingebunden gewesen sein. Genauere Umstände der Bestattungen sind, aufgrund der damals angewandten grabungs- und Dokumentationsmethoden leider nicht bekannt.

Erwin Neumair sammelte 1984 wiederholt römische Scherben auf dem Fuchsberg auf, die auf durch den Pflug bedrohte römische Gräber schließen ließen. Deshalb führten noch im gleichen und in den beiden darauffolgenden Jahren Erwin Neumair und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege Notgrabungen durch. Bei den Grabungen bargen die Ausgräber zehn zum Teil bereits stark gestörte Brandgräber, die aufgrund der Beigaben in die mittlere Römische Kaiserzeit datiert werden können. Es muss davon ausgegangen werden, dass weitere Gräber bereits völlig zerstört wurden. Gemäß der damaligen Regel wurden die Günzenhausener Toten erst auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Danach wurden die verbrannten Knochen und Beigaben ausgelesen und zusammen mit Scheiterhaufenresten entweder in einer Urne (Urnengrab) oder ohne solche (Brandgrubengrab) in einer Grube bestattet. Anthropologen konnten unter den Toten keine Männer nachweisen.Unter den Grabbeigaben und Trachtgegenständen finden sich bronzene und eiserne Fibeln, Schmink- und Schreibgerät, Münzen (als "Charonsgeld" für die Bezahlung der Überquerung des Hades, dem Totenfluss im Jenseits), Messer, zerschmolzene Reste von Gläsern, verzierte und glatte Terra Sigillata (feiner, roter Hochglanzton), so genannte norische Ware, andere Fein- und Grobkeramik und ein Becher aus Speckstein. Die Funde erlauben eine genaue Datierung der Belegungszeit des Friedhofs: Er wurde in traianischer Zeit (98-117) angelegt und wohl in der Regierungszeit Marc Aurels (161-180) wieder aufgelassen. Die Fundstücke lassen sich aber nicht nur bezüglich der zeitlichen Einordnung heranziehen, sondern sie verraten möglicherweise auch die geografische Abstammung der Bestatteten. Zumindest die beiden Eisenfibeln dürften germanischer Herkunft sein, vielleicht auch drei der handgefertigten Töpfe. Dies legen auch Dünnschliffanalysen der Gefäßscherben nahe. Aus dem Norikum hingegen stammen Gefäße der norischen Ware. Das Norikum war die östlich an Rätien angrenzende Provinz, wobei die Grenze entlang des Inns verlief. Die Fibeln als Trachtgegenstände wurden nicht verhandelt, sondern gelangten mit ihren Trägerinnen zu uns nach Rätien. Norische Ware ist in Rätien ausgesprochen selten und wird ebenfalls nicht als Handelsgut, sondern mit den Besitzern hierher gelangt sein. Unter den Toten befanden sich demnach wahrscheinlich romanisierte Germanen und Noriker, die sich hier nahe der wichtigen Römerstraße angesiedelt hatten.

Weitere römische Befunde stammen vom Sportplatz Eching, wo ein landwirtschaftliches Anwesen mit zugehörigen Zaungräben aufgedeckt werden konnte.

Eine Drusus-Münze von 23 n.Chr. stammt von der Heidestrasse.

 

 

 

 

 

 

links: Beigaben aus Grab 2 von Günzenhausen, rechts: Eiserne Trompetenkopffibel aus Grab 2b von Günzenhausen 

 

Hallstattzeit:

Aus dem Gewerbegebiet zwischen Eching und Neufahrn - nur 520 m auseinander - liegen zwei der monumentalsten Bauwerke aus der Vorgeschichte Südbayerns vor. 1981 wurde der Echinger Kreis vollständig ergraben. Dem folgte 1987 nur die Teilaufdeckung der Neufahrner Anlage, da in den Vorjahren die andere Hälfte unbemerkt durch Kiesabbau zerstört worden war. Beide Kreise sind exakt kreisrund und besitzt einen Durchmesser von 70 m (Eching) bzw. 76 m (Neufahrn). Der Pfosten im Mittelpunkt des Echinger Kreises könnte ehemals als Konstruktionshilfe gedient haben. Je eine Grabenunterbrechung im Nordwesten (Neufahrn) bzw. Nordnordwesten (Eching) deuten auf einen Durchlass. Im Graben des Echinger Kreises stand ehemals eine Palisade. Direkt aus beiden Befunden stammt nur wenig datierbare Keramik, die in die Urnenfelder- und Hallstattzeit zu setzten ist. Es gibt zwar keine direkten Vergleichsbefunde, jedoch sind beim hallstattzeitlichen Grabbau unter den Hügeln erstens in der Vorgeschichte die größten Kreisgräben gefunden worden und zweitens Kreisgräben mit Unterbrechungen im Westen bis Norden nicht ungewöhnlich. Ein nicht einmal halb so großer Kreis aus Poing, Lkr. Ebersberg, weist die gleichen Merkmale wie die beiden aus dem Freisinger Landkreis auf; in einem der beiden Poinger Grabenköpfe war ein hallstattzeitliches Gefäß eingebracht, möglicherweise absichtlich zerschlagen worden.

Als Befestigungsanlagen sind die beiden Kreisgräben (und der Poinger) nicht zu deuten, auch da eine Innenbebauung fehlt. Vielmehr dürften die großen Kreise im Zusammenhang mit nicht näher zu benennenden kultischen Handlungen stehen. Die zugehörige Bevölkerung zum Echinger Kreis hat nur wenig davon entfernt in mehreren Gehöften gesiedelt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

links: A: Großer Kreis von Eching, B: Großer Kreis von Neufahrn, rechts oben: Eching, rechts unten: Neufahrn

 

Frühmittelalter:

Frühmittelalterliche Befunde gibt es innerhalb der Grabungsfläche am Industriegebiet, sowie aus der Dietersheimerstrasse.

Da am südöstlichen Ortsrand von Eching ein Neubaugebiet ausgewiesen wurde, mussten dort auf einer Fläche von 8000 qm bauvorgreifende Rettungsgrabungen durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt werden. Dabei wurden der Randbereich einer römischen Villa rustica, Ausschnitte eines mittelalterlichen Wölbackersystems und Teile einer frühmittelalterlichen Siedlung mit Pfostenbauten, Grubenhäusern und Brunnen freigelegt. Zu erwähnen sind weiterhin vier Bestattungen bei den Gebäuden, so genannte Hofgrablegen der späten Merowingerzeit. Um Einblicke in die Nutzung der verschiedenen Gebäudeteile eines Pfostenbaus zu bekommen, wurden Bodenproben aus dem kiesigen Substrat entnommen, um sie nach ihrem Phosphatgehalt zu untersuchen. Phosphatanreicherungen sind typische Hinterlassenschaften intensiver menschlicher Aktivitäten an einem Platz (z.B. tierische [Stall] und menschliche Ausscheidungen, Kochstelle, Gerberei). Deshalb wurden u.a. im Hausinneren eines größeren frühmittelalterlichen Wohnhauses an jedem Meter eine Bodenprobe entnommen. Die Kartierung innerhalb des Hauses zeigt neben normalen Werten - Werte, die denen des bebauungsfreien Kieses entsprechen - teilweise erhöhte bis sicher anthropogen beeinflusste Werte. Im westlichen Mittelteil bzw. an der östlichen Südwand sind die Phosphatkonzentration jeweils stark erhöht. Erklären könnte man dies mit ein zentralen Kochstelle bzw. einer Lagerfläche. Die Wasserversorgung der frühmittelalterlichen Siedlung sicherten Brunnen. Im untersten Teil eines der Brunnen überdauerten aufgrund des feuchten Kieses die untersten Schalungsbretter. Die Brunnenstube war quadratisch mit überkämmten Ecken gezimmert. Die jüngsten Daten der Brunnenhölzer - Eiche und wenig Esche - konnten dendrochronologisch (zeitliche Bestimmung aufgrund der Jahrringe) auf das Jahr 630 datiert werden. Allerdings fehlen die äußersten Splinthölzer, so dass damit zu rechnen ist, dass der Brunnen um die Mitte des 7.Jh. erbaut worden ist. Aus einigen Objekte wurden aber auch Bodenproben entnommen, um sie nach botanischen Resten zu untersuchen. In Mineralbodensiedlungen erhalten sich vergängliche Getreidekörner oder ähnliches nur unter Luftabschluss, wie die Holzreste des Brunnens im Feuchten, oder, wenn sie verkohlt sind. Es verwundert daher nicht, dass im untersten feuchten Bereich des Brunnens auch eine Vielzahl an Pflanzenresten überliefert wurden. Im Frühmittelalter wurde demnach sicher Gerste angebaut, wahrscheinlich auch Hafer und Getreide. Himbeeren und Holunderbeeren wurden in der näheren Umgebung gesammelt, die stickstoffliebenden Pflanzen, wie die Brennnessel oder das Bilsenkraut, stammen sicherlich direkt aus der Siedlung. Eine abschließende archäologische Untersuchung der frühmittelalterlichen Siedlung steht noch aus, ebenso wie die Analyse der Tierknochen oder Holzkohlenreste, jedoch zeugen die ersten Ergebnisse bereits von der Bedeutung interdisziplinärer Arbeit für eine allumfassende Bewertung vergangener Zeiten.


 

 

 

 

 

 

 

Rekonstruktion des Echinger Brunnens