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Ein Leben für die Archäologie
Archäologischer Verein trauert um Erwin Neumair

Der Gründer des Archäologischen Vereins und langjährige 1. Vorsitzende, Erwin Neumair, ist am vergangenen Montag im Alter von 80 Jahren verstorben. Sein Leben widmete er der Erforschung der Landkreisgeschichte. Als gebürtiger Freisinger begann er bereits früh, sich für Geschichte zu interessieren. Besonders der Freisinger Domberg stand in seinem Fokus und so führte er dort 1972 erste archäologische Untersuchungen durch, damals noch unerlaubt. Nach und nach bildete sich unter seiner Führung ein Team von ehrenamtlichen Helfern, mit denen er wertvollste Funde  und Erkenntnisse zu einer der bedeutendsten Zentralsiedlungen der Bronzezeit sicherte, die ohne sein beherztes Eingreifen unwiederbringlich verloren gegangen wären. 1978 ernannte ihn der Landkreis in Anbetracht dieser Verdienste offiziell zum Kreisheimatpfleger - allerdings hieß es derzeit noch, es gäbe ohnehin nicht viel zu finden. Neumair aber begann mit seinem Team den Landkreis systematisch nach Fundstellen abzusuchen und diese zu kartieren. Dadurch wurde aus einem ehemals weißen Flecken auf den Denkmalkarten einer der am besten erforschten Landkreise Bayerns. Unmengen an Lesefunden zeugen von einer Besiedlungsgeschichte, die seiner gleichen sucht. 1988 gründete Neumair dann den Archäologischen Verein. Unter seiner Anleitung wurden aus Laien geübte Ausgräber mit denen weitere spektakuläre Entdeckungen gemacht wurden. In Ziegelberg fand man Keramik der ältesten Bandkeramik, in Niederndorf eine römische Villa rustica mit Therme und Darre und in Niederambach ein römische Gräberfeld. 1996 dann die Sensation schlechthin: In Murr wurde der berühmte Hochzeitsbecher der Münchshöfener Kultur ausgegraben. Bis heute konnten viele weitere einmalige Funde geborgen werden, deren Fundstellen ohne Neumairs Wirken wohl unbekannt geblieben und daher unbeachtet überbaut worden wären.

Im Laufe ihrer Tätigkeit wurden Anne und Erwin Neumair und ihr Archäologischer Verein mehrmals geehrt. 1991 war es die bayrische Denkmalschutzmedaille, 1997 der Kulturpreis des Landkreises Freising, 2002 das Bundesverdienstkreuz, 2010 die Stadtmedaille der Stadt Freising und 2006 die Ernennung zu "Gesichtern der Region".

Neumair verstand es aber nicht nur Grabungen durchzuführen sondern organisierte Vereinsfahrten, Ausstellungen und holte immer wieder hochkarätige Dozenten für Vorträge nach Freising. Er baute mit den Jahren ein breites Netz aus Fachkontakten auf, die es ermöglichten die Freisinger Funde immer mit den neuesten wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Den Untersuchungen folgte immer auch die Publikation der Ergebnisse auf hohem wissenschaftlichen Niveau und so war Neumair in der Fachwelt eine feste Größe. Archäologen aus ganz Deutschland und teilweise sogar über die Landesgrenzen hinaus wandten sich bei Fragen speziell zur Jungsteinzeit an ihn, war sein Fachwissen hierüber doch enorm.

Aufgrund geänderter Rahmenbedingungen in der Bodendenkmalpflege wurden die Grabungen in den letzten 15 Jahren dann immer weniger und Neumair widmete sich verstärkt der Aufarbeitung der Funde. Im Laufe der Zeit machte ihm die Gesundheit erkennbar zu schaffen und doch setzte er sein Wirken unvermindert fort und stand den Mitgliedern des Archäologischen Vereins immer mit Rat und Tat zur Seite. Er hat sich früh Gedanken um die Zukunft der Landkreiserforschung gemacht und die Vorstandschaft nach und nach verjüngt. Es fiel im sichtlich schwer sich von einzelnen Aufgabenbereichen zu trennen und sie an Andere abzugeben, für die er dennoch stets ein offenes Ohr hatte, wenn es Fragen gab. 2013 merkte er dann, dass seine Kräfte für die Vereinsführung nicht mehr ausreichen und er teilte schweren Herzens mit, dass er für das Amt des 1. Vorsitzenden nicht mehr zur Verfügung stehen wird und er dieses in jüngere Hände abgeben möchte. Das 25-jährige Jubiläum wollte er aber noch selbst durchführen. Leider erlaubte ihm dies sein gesundheitlicher Zustand nicht mehr und der Festakt wurde ins Jahr 2014 verlegt in welchem ihn die Mitgliederversammlung dann auch zum Ehrenvorsitzenden ernannte. Der Besuch von Veranstaltungen war leider ihm nicht mehr möglich und dennoch half er weiter unermüdlich bei der Fundbearbeitung und stand dem Verein bis zu seinem Tod beiseite, der eine schmerzliche Lücke hinterlässt. Die Vorstandschaft des Archäologischen Vereins im Landkreis Freising blickt voller Dankbarkeit auf Erwin Neumairs "Leben für die Archäologie" zurück, das mit Worten nicht genug gewürdigt werden kann. Im Bewusstsein seiner Verdienste wird seine Arbeit auch in Zukunft fortgeführt werden um das große Erbe das er uns allen hinterlässt würdig zu bewahren.